Forschungsprojekt

Naturschutzgebiet "Kalktriften" mit Acker-Wachtelweizen

Naturschutzgebiet "Kalktriften" mit Acker-Wachtelweizen

Die sehr wichtigen und in der Zwischenzeit in großer Zahl vorliegenden Modellierungen zur zukünftigen Artverbreitung bei verschiedenen Klima-Szenarien („climatic envelopes“, z.B. Settele et al. 2008) reichen für die Erfordernisse des umsetzungsorientierten Natur- und Artenschutzes („auf der Fläche“) nicht aus, da sie sich auf die Analyse möglicher Klimawandel-Auswirkungen beschränken, aber keine Lösungsmöglichkeiten bieten. Die rechtzeitige Entwicklung von Anpassungsstrategien ist aber für einen langfristig erfolgreichen Naturschutz unabdingbar.

Außerdem können diese Studien keine Aussagen über die Veränderungen in einer fragmentierten Normallandschaft (im Unterschied zum Gesamtareal) treffen UND nicht die Auswirkungen auf einzelne Populationen vorhersagen.

An dieser Stelle setzt das vorliegende Projekt an. Es verfolgt im Wesentlichen drei Ziele (Teilprojekte – TP), um die Auswirkungen der prognostizierten Klimaerwärmung auf konkrete Vorkommen von hoch bedrohten Arten bzw. ihrer Lebensräume darzustellen und mögliche Lösungsvorschläge zu deren Erhalt aufzuzeigen. Die drei TP weisen jeweils einen unterschiedlichen zeitlichen Betrachtungshorizont auf:

  • Maculinea rebeli bei der Eiablage auf Kreuz-Enzian

    Maculinea rebeli bei der Eiablage auf Kreuz-Enzian

    Teilprojekt 1 blickt in die jüngere Vergangenheit zurück:
    Es werden für zwei größere Naturräume, das Sauerland und das Weserbergland, Tagfalter-Monitoringdaten unter Berücksichtigung der jeweils relevanten Futterpflanzen mit der tatsächlichen Klimaentwicklung in Beziehung gesetzt. Dies steigert das Verständnis für die konkret auf der Fläche zu erwartenden Veränderungen. Weiterhin dienen sie zur Validierung der Modellierungsergebnisse.
    Parallel werden die Zielarten des Projekts im Sinne des Management-Ansatzes herausgearbeitet (TP 3) und mögliche klimatische Schlüsselparameter für den Erhalt der Arten auf der Grundlage vorliegender Arbeiten ermittelt.
  • Teilprojekt 2 richtet den Blick in die Zukunft:
    Anhand regionalisierter Klimamodelle kann in mehreren unterschiedlichen Szenarien die Auswirkungen auf die lokalen Populationen der betrachteten Zielarten modelliert werden. Unter Berücksichtigung des Managements wird die Überlebenswahrscheinlichkeit der einzelnen Vorkommen (Population, Patch) errechnet.

  • Forstmulcher

    Der Einsatz auch größerer Maschinen (Stubbenfräse, Forstmulcher) erlaubt die Pflege größerer Flächen.

    Teilprojekt 3 führt die Ergebnisse von TP 1 und 2 in der Gegenwart zusammen:
    Es beinhaltet konkrete Managementmaßnahmen, die ein Überleben der Vorkommen auch unter sich ändernden klimatischen Gegebenheiten sicherstellen sollen. Diese werden möglichst zu Beginn des Projektes umgesetzt, um eine baldige Validierung der Auswirkungen durch den „gestreckten“ Projektverlauf in vier und sechs Jahren zu ermöglichen.

Hierdurch könnten Modellierungsergebnisse zur Überlebenswahrscheinlichkeit von Arten bei voranschreitendem Klimawandel mit einer Evaluation von Maßnahmen anhand tatsächlicher Freilanddaten und einer darauf aufbauenden Korrektur der Modellierungen kombiniert werden.


Klimawandel und Naturschutz
Online: http://www.klimawandel-projekte.de/forschungsprojekt/index.php [Datum: 16.07.2018]
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